Text: Klagsverband · 14. November 2011

Ein gutes Gesetz muss sich erst in der Praxis bewähren

SexarbeiterInnen fühlen sich übergangen – eine Presseaussendung von LEFÖ

Das neue Prostitutionsgesetz, wie es am 1. November 2011 in Wien in Kraft getreten ist, bedeutet eine weitere Verstärkung von Marginalisierung und Diskriminierung von SexarbeiterInnen, so die Migrantinnenselbstorganisation LEFÖ.

Anstatt Sexarbeit als gesellschaftliche Realität anzuerkennen und die Situation von SexarbeiterInnen in den Mittelpunkt zu stellen, bedingt das neue Prostitutionsgesetz in Wien eine weitere Verschärfung des Kontrollsystems. Die gesetzliche Regelung, die Straßenprostitution nicht mehr im Wohngebiet ausüben zu können – und nur mehr für einige wenige Plätze frei zu geben, gibt noch einmal mehr der gesellschaftlichen und politischen Doppelmoral in Österreich Ausdruck.
Gerade der aktuelle Diskurs zeigt einmal mehr, in welch beleidigender und herabwürdigender Art und Weise über SexarbeiterInnen gesprochen wird. Die Meinungen über SexarbeiterInnen sind vielfältig und (fast) alle wissen anscheinend Bescheid. Doch bei all diesen Diskussionen wird darauf vergessen, die SexarbeiterInnen selbst dazu zu befragen. Obwohl es seitens der politischen EntscheidungsträgerInnen anfänglich Bemühungen gab, SexarbeiterInnen in den Prozess der Neuregelung des Prostitutionsgesetzes einzubinden, wurde dann in letzter Konsequenz davon wieder Abstand genommen.
Nach wie vor ist es LEFÖ ein Anliegen in diesem Zusammenhang auf die bestehenden Menschenrechtsverletzungen, auf die institutionalisierte Doppelmoral und die gesellschaftliche Abwertung und rechtliche Diskriminierung von Sexarbeiterinnen aufmerksam zu machen.

Mit einem Unsichtbar-Machen der Sexarbeit und deren Ausübenden wird die Situation für SexarbeiterInnen nicht besser, sondern schlechter. Es braucht Rahmenbedingungen, die gutes und sicheres Arbeiten ermöglichen und die der Diversität und den Bedürfnissen von SexarbeiterInnen gerecht werden. Die Rechte von SexarbeiterInnen müssen dabei an erster Stelle stehen und der Selbstbestimmung der in der Sexarbeit tätigen Frauen, Männer, Transpersonen gerecht werden. Dazu braucht es sichere Arbeitsplätze, die Anerkennung von Sexarbeit als Arbeit, Schutz vor Diskriminierung und Abwertung – auch im öffentlichen Raum.

Quelle: LEFÖ